GoArtega hat geschrieben:
Wir würdest Du die Äusserungen einschätzen bzgl. Lenkung und Lastwechsel.
Ist ja doch immer Subjektiv und abhängig wie stark das Auto ausgereizt wird.
Hattest Du schon Gelegenheit die Grenzen zu testen?
Gibt es bei Dir aktuell auch Elektrikprobleme? Wie stellen die sich dar.
Meine ob diese temporär vertretbar sind oder doch starke Schmerzen verursachen und vor allem behebar sind.
Gibt es die Möglichkeit die Traktion einzustellen?
Freue mich das eine oder andere noch zu erfahren.
Die Kritik an der Lenkung kann ich nicht teilen. Ich finde die Rückmeldungen der Lenkung gut. Allerdings hat sie geschwindigkeitsabhängig unterschiedliche Kennlinien. Das finde ich persönlich angenehm, ist aber bei starken wechselhaften Strecken sicher gewöhnungsbedürftig und anfangs etwas irritierend. Ich halte es auch für möglich, dass die Kennlinienkonfig der Pressewagen von meiner Konfiguration abweichen und nicht optimal sind. Artega hat in der Vergangenheit unterschiedliche Einstellungen ausprobiert und ich habe auch mal einen Testwagen mit einer anderen Konfig gefahren, mit der ich nicht zufrieden war.
Die Frage bzgl. Lastwechsel muss ich zweigeteilt beantworten. In den jüngsten Testberichten ist auf das Verhalten im Grenzbereich abgezielt worden, nicht auf eigentliche Lastwechsel. Im Grenzbereich finde ich den Artega GT ganz entgegen aller Testberichte, die sich dazu bisher ausgelassen haben, unproblematisch. Natürlich bricht die insgesamt sehr gute Haftung gerade auf trockener Straße zwar sehr spät, aber ziemlich abrupt weg. Der Wagen ist aber meiner Erfahrung nach sehr einfach wieder einzufangen. Ich möchte behaupten, den Grenzbereich bei den meisten Fahrten anzutesten, weil es einfach extrem viel Spaß macht. Warum die Pressetester das zum Teil anders beurteilen, kann ich nicht sagen.
Anders ist der Grenzbereich bei sehr nasser Straße (d.h. stehendes Wasser). Da schwimmt der Wagen vermutlich aufgrund der breiten Reifen (ich habe hinten die 305er) wirklich sehr früh und schnell auf und ist nur sehr schwer wieder einzufangen. Das hat mich auch schon einmal in eine sehr gefährliche Situation gebracht, so dass ich seitdem bei Nässe extrem vorsichtig fahre.
Echte Lastwechselprobleme sehe ich nur bei sehr hohen Geschwindigkeiten (>260 km/h). Dort neigt das Wagenheck bei Störungen (Gaswechsel, Bodenwellen) zu sehr kurzen Seitwärtsstößen, selbst wenn die auslösende Störung eher quer zu Fahrtrichtung ist. Das ist bei den ersten paar Fahrten gefährlich irritierend, danach hat man sich darauf eingestellt. Die Ursache liegt laut übereinstimmenden Aussagen mehrerer Artega-Testfahrer in den 305er-Michelin-Reifen. Diese sollen eine zu weiche Seitenwandung haben. Porsche hätte dieses Problem auch schon an Michelin gemeldet und man arbeitet dort angeblich an einer Verbesserung. Laut Artega soll dieses Problem mit den 295er Michelin, die sich ebenfalls auf die Felgen aufziehen lassen, oder den alternativen 305er Pirellis vollständig weg sein. Ich habe beides noch nicht probiert, halte die Erklärung aber für plausibel, denn genauso fühlt es sich an. Die 305er Pirellis haben leider andere Nachteile (weniger Grip) und sind daher wohl kein guter Ersatz.
Das Fahrwerk lässt sich recht gut konfigurieren. Für die Traktion ist die Stellung der Stabilisatoren entscheidend. Die verfügen vorne und hinten über jeweils drei Einstellungen, die auf einer Bühne recht schnell geändert werden können. Auch sonst kann man ganz gut mit verschiedenen Konfigs spielen (z.B. Gewindefahrwerk).
Ich habe meines Wissens so ziemlich den ersten Kunden-Artega, der relativ viel gefahren wird (weiss nicht, ob Frers seinen noch hat). D.h. ich habe so ziemlich alle Elektronikprobleme schon erlebt und bin der Meinung, dass man die auch im jetzigen Zustand ganz gut hinnehmen kann. Artega wird aber keine Fahrzeuge in diesem Zustand mehr ausliefern.
Viele besonders nervige Anfangsprobleme sind schon behoben, z.B. ständige Totalausfälle und vor allem die Ausfälle des kombinierten Drehzahlmessers und Tachos. Selbst bei letzterem gab es aber Behelfe, z.B. indem man kurzzeitig die Geschwindigkeitsanzeige im Navi nutzt. Inzwischen hat Artega auch eine zweite digitale "Reservegeschwindigkeitsanzeige" auf die Tageskilometeranzeige gelegt (umschaltbar über einen kurzen Druck auf den Rückstellknopf), so dass man im Falle eines Falles auch darauf zurückgreifen könnte. Dieses Problem scheint aber auch grundsätzlich gelöst worden zu sein, so dass man das eigentlich nicht mehr benötigt. Ich hatte jedenfalls schon seit Monaten keinen einzelnen Ausfall des Tachos mehr.
Anfangs des Winters habe ich bei tiefen Temperaturen noch gelegentliche Ausfälle der Cockpitelektronik direkt beim Anlassen gehabt, die sich nur durch kurzes Abklemmen der Batterie beheben liessen. Die Batterie liegt dankenswerterweise unter einer Klappe hinter der Mittelkonsole, d.h. man kann vom Fahrersitz aus kurz die Masse abziehen und alles ist wieder i.O. Diese Kaltstartproblem ist bei mir aber über die ganz kalten Wintertage merkwürdigerweise verschwunden.
Für die Beurteilung der Alterstauglichkeit trotz der Probleme der Cockpitelektronik ist es ganz wichtig zu wissen, dass die wirklich vitale Elektronik komplett von der Cockpitelektronik getrennt ist. D.h. Zündung, Anlasser, Getriebe, ABS, ESP, Lenkung, Fahrlicht und Blinker funktionieren vom ersten Tag an ohne irgendeinen Fehler. Es war in den ersten Monaten manchmal sehr interessant, wenn sich bei einer Nachtfahrt die Cockpitelektronik weghängt und man im völlig dunklen Cockpit durch die Nacht fährt, während die Außenbeleuchtung uneingeschränkt funktioniert. Ärgerlich nur an heißen, feuchten oder sehr kalten Tagen, denn die Klimaanlagensteuerung und Sitzheizung fällt dann auch aus. Diese Probleme treten bei meinem inzwischen aber nicht mehr auf und waren zur Not wie gesagt auch durch Batterie abklemmen sofort zubeheben.
Du kannst davon ausgehen, dass mit der Wiederaufnahme der Auslieferung im Sommer diesen Jahres diese Probleme, die ja heute schon nur noch Problemchen sind, alle behoben sein werden und der Wagen einen sehr hohen Reifegrad erreicht haben wird. Ich nutze den Wagen auch jetzt schon beinahe täglich und habe sehr, sehr viel Spaß damit. Beschleunigung, Verzögerung, Straßenlage und Sound sind einfach der Hammer und das Ganze ist noch in einem sehr schicken und exotischen Design verpackt, bei für einen so sportlichen Wagen sehr guten Verbrauchswerten - was will man mehr? Hatte gestern noch an der Tanke einen Corvette Z08-Fahrer neben mir stehen, der ganz hin und weg vom Artega war. Ich finde, dass das den Artega ausmacht: er spielt einfach in der nächsthöheren Klasse mit.