Artega GT – Fahrbericht 2010

Seit der ersten Vorstellung im Jahr 2007 ist viel Zeit vergangen. Der Artega GT sieht optisch noch taufrisch aus und die Macher versprechen, dass er nun auch die Qualitätsanforderungen erfüllt. Grund genug für Artega-GT.de ein Fahrzeug des aktuellen Fertigungsstandes auf die Probe zu stellen.

Immer im Fokus: Ein Artega GT erzeugt Aufsehen!
Immer im Fokus: Ein Artega GT erzeugt Aufsehen!

Da ist es wieder – es faucht zunächst böse, dann wummert es mit viel Bass friedvoll vor sich hin. So könnte man die typische Startsequenz eines Artega GT akustisch beschreiben. Der bekannte 3,6l V6 ist immer noch das Herzstück des Artega GT und ist unter anderem für die Musik verantwortlich. Er kann aber mehr als dies: Innerhalb von 4,8 Sekunden soll der Direkteinspritzer die lediglich 1,18 Meter hohe Flunder aus dem Stand auf Tempo 100 sprinten lassen. Dies ist aber auch ein Verdienst des extra für den Artega GT abgestimmten Doppelkupplungsgetriebes (DSG), welches zuverlässig und blitzschnell seine Aufgabe verrichtet. Man kann dabei wählen entweder bequem im Automatikmodus zu fahren oder selbst die Gangwechsel in der manuellen Gasse oder mit den Schaltpaddeln am Lenkrad zu initiieren. Tatsächlich harmoniert das DSG ausgezeichnet in diesem kompakten und leichten (1250 kg Leergewicht) Sportwagen.

Ob Rennstrecke oder Boulevard: Der Artega fühlt sich überall heimisch.
Ob Rennstrecke oder Boulevard: Der Artega fühlt sich überall heimisch.

Auch die restlichen Funktionen des aktuellen Artegas können nun mit dem Wort „zuverlässig“ beschrieben werden. Das feuerrote Testfahrzeug verfügte unter anderem über die neueste Tachoeinheit, welche leicht an den getrennten Wellen für Drehzahl und Geschwindigkeit zu erkennen ist. Hiermit geht zwar ein Markenzeichen des Artegas verloren – Zeiger von Drehzahlmesser und Tacho auf einer Welle – auf der anderen Seite kann jedoch auf erprobte und bewährte Technik zurückgegriffen werden. Auch die Fronthaube, welche in ihrer frühesten Version durch extreme Verformungen nahe der Höchstgeschwindigkeit für Aufsehen gesorgt hatte, wurde schon vor langer Zeit verstärkt und konturiert. Im aktuellen Modell besteht diese Haube nicht mehr aus dem typischen Kunststoff Polyurethan, wie der Rest der Artega-Karosserie. Stattdessen wird nun zur Gewichtsreduktion bei gleichzeitiger Stabilitätsverbesserung eine Haube aus Carbon montiert. Von außen ist diese gewohnt lackiert, sodass kein Unterschied zur übrigen Karosserie auffällt, von unten ist sie jedoch in hochwertigster Sichtcarbonausführung gefertigt, sodass man die perfekte Webung der Fasern sehen kann. Es bleibt spannend, was Artega als nächstes aus diesem Hightech-Material anbieten wird.

Mit aktivierter Launch Control beschleunigt der GT optimal an der Schlupfgrenze.
Mit aktivierter Launch Control beschleunigt der GT optimal an der Schlupfgrenze.

Fahrdynamik war schon immer die Tugend des Artegas. Trotz Gewichtszunahme auf 1250kg (Leergewicht) während der Entwicklungszeit, ist der kleine Zweisitzer aktuell immer noch eines der leichtesten Automobile mit V6-Motor auf dem deutschen Markt. Kurvige Landstraßen sind dabei wohl das perfekte Jagdgebiet des Artega GT. Der Saugmotor hängt naturgemäß gut am Gas, die kompakten Abmessungen können gut abgeschätzt werden, was wichtig ist, um eine gute Linie fahren zu können. Einzig die Außenspiegel, welche durch eine EU-Vorschrift gewaltige Dimensionen angenommen haben, stören die Sicht schräg nach vorne. Die am Testfahrzeug montierten optionalen Schmiederäder mit gewaltigen 305 mm breiten Sportreifen auf der Hinterachse verhelfen beim Kurvenräubern zu guter Traktion. Sollte man dennoch einmal eine Kurve zu optimistisch anfahren, greift das nun serienmäßig aktivierte ESP ein und verhindert ein Ausbrechen des Hecks wirkungsvoll. Auch auf der Autobahn macht der Artega GT eine gute Figur. Da er ungefesselt bis zur eingetragenen Höchstgeschwindigkeit von 271 km/h stürmen darf, hängt er viele stärkere, aber auf 250 km/h gedrosselte Limousinen ab. Das Fahrverhalten wirkt jedoch nahe der Höchstgeschwindigkeit nervös, auf unebener Fahrbahn muss der Fahrer konzentriert agieren. Hier könnte der Grund im recht kurzen Radstand liegen. Nichtsdestotrotz arbeiten die Bremsen aus dem Hause Brembo auch bei diesen Tempi ausgezeichnet. Der Wagen liegt bei einer harten Bremsung sehr gut in der Spur, die Verzögerung ist nahezu konkurrenzlos gut. Dies schafft Sicherheit und Vertrauen in den neuen deutschen Sportwagen – dem Artega GT.

Auf der Kostenseite hinterlässt der Artega GT einen zwiespältigen Eindruck. Der Einstiegspreis ist mit 79.950€ für einen kleinen Sportwagen mit 300 PS kein Schnäppchen. Auf der anderen Seite ist die Serienausstattung mit DSG-Getriebe, Xenon, Teilleder und Navigation sehr umfangreich. Auch die relativ wenigen optionalen Extras sind im Vergleich zu andern Automobilherstellern nicht teuer, sodass es verwundern sollte jemals einen Artega in Grundausstattung zu Gesicht zu bekommen. Der  Testverbrauch pendelte sich bei ca. 12 Liter auf 100 km ein, wohlgemerkt mit Hochgeschwindigkeitsfahrten und Beschleunigungstests, sodass man im Alltag von einem leicht geringeren – auf der Rennstrecke von einem höheren Verbrauch ausgehen kann. Da der moderne Direkteinspritzer die Abgasnorm Euro 5 erfüllt, ist ein Neufahrzeug 12 Monate von der Kraftfahrzeugsteuer befreit.

Der Grundpreis für den kompakten Sportler beträgt 79.950€.
Der Grundpreis für den kompakten Sportler beträgt 79.950€.

Fazit
Rom wurde nicht an einem Tag erschaffen und so braucht auch eine komplexe technische Entwicklung wie der Artega GT eine gewisse Zeit bis alle Komponenten wie gewünscht zusammenarbeiten. Indem die seit Ende 2009 eingesetzte Führungsmannschaft sich dutzenden von kleinen und großen Kinderkrankheiten angenommen hat, hat der überarbeitete Artega GT eine hohe technische Reife erlangt. Man kann nun mit Fug und Recht behaupten, dass nun wirklich er ersehnte Alleskönner geworden ist. Er ist zuverlässig, sportlich und praktisch zugleich. Es steht außer Frage, dass es für jede dieser Eigenschaften eine Referenz auf dem Automobilmarkt gibt, aber es wird schwierig ein ähnlich exklusives Fahrzeug zu finden, welches man problemlos zum Einkaufen nutzen kann und daraufhin auf der Rennstrecke bei ein paar schnellen Runden Spaß zu haben. Man sollte nur nicht vergessen den Einkauf zwischenzeitlich auszuladen 😉

Das Design von Henrik Fisker wirkt aus jeder Perspektive beeindruckend.
Das Design von Henrik Fisker wirkt aus jeder Perspektive beeindruckend.

Weitere Bilder finden sich in der Artega-GT.de Galerie.

Text: Patrick W.
Bilder:Matthias Kierse